Was Neues.
13.12.2010
Ein paar Sekunden aus Renes Leben.
Sekunde 0
Rene fahrt mit 100 km/h auf einer kurvenreichen Landstraße. Er hat viel Geld in sein Polo investiert, schließlich zeigt ein Auto wer man wirklich ist. Die Recaro-Rennsitze sind bei einem kleinen Autotuning Pflicht. Rene hätte eigentlich Rennfahrer werden müssen, so gut wie er das Auto vorallem in den Kurven beherrscht. Bei einem solchen sportlichen Fahrstil, ist es für Rene auch schon fast Pflicht, die eine oder andere Kurve zu schneiden. In einer solchen angeschnittenen Kurve, kommt ihm einer mit der gleichen Geschwindigkeit entgegen, der denselben Fahrstil hat. Rene ist zwar ein guter Fahrer, er erkennt aber seinen Kontrahenten erst, als sich der bis auf 100 m genähert hat.Rene steigt sofort, also nach etwa einer Sekunde Reaktionszeit, in die Eisen. Bei dem anderen Auto dauert es noch ein bisschen länger. Renes Polo ist ziemlich neu und hat gute Bremsen, trotzdem schafft er es bis zum Treffpunkt der beiden, seinen Wagen nur auf ca. 90 km/h zu verzögern. Ausweichen kann er vor Schreck eh nicht mehr. Sein Auto wiegt 1200 kg. Bei diesem Tempo stecken im Auto ca. 15 000 Joule (bzw. Newtonmeter) Bewegungsenergie, das heißt nach vorne in Fahrtrichtung strebende Wucht. Rene gibt von sich aus noch 875 Joule Bewegungsenergie hinzu, weil er 70 kg wiegt und auch noch mit 90 km/h unterwegs ist. Soeben kollidieren die beiden Fahrzeuge mit einem ohrenbetäubenden dumpfen Knall in der häufigen 50/50-Überdeckung.
In den beiden Fahrzeugen spielt sich jetzt nur in etwa dasselbe Drama ab, denn Rene ist ein Gurtmuffel, sein Gegenüber nicht. Wir wollen uns deshalb auf unseren Freund Rene konzentrieren.
Sekunde 0,1
Das Zehntel einer Sekunde ist vorbei, Stoßstange und Kühlergrill sind eingedrückt, die Motorhaube beginnt sich zu kräuseln. Der Wagen hat etwa 5 km/h an Fahrt verloren. Rene fühlt sich deutlich nach vorne gedrängt. Außer seinem Gewicht, das mit 70 Kilo im Polster sitzt, zieht ihn auch eine Kraft nach vorn, die einem Gewicht von rund 170 Kilo entspricht. Rene macht seine Beine steif um dieser Neuigkeit im wahrsten Sinn des Wortes entgegen zu treten. Er drückt gegen das Lenkrad, damit es ihn nicht aus dem Sitz hebt. Mit den Beinen stemmt er rund 1560 Newton (N) ab, mit den Armen auch so 300 – 350 N. Er hätte nicht geglaubt, dass er so stark ist, aber es gelingt ihm noch, sitzen zu bleiben. Da kommt der zweite harte Stoß. Noch ehe er sich besinnen kann, ist sie vorbei, die...Sekunde 0,2
Die etwas härteren Teile des Fahrzeuges, Radaufhängung und Kühler, sind soeben am Gegenüber angekommen, die Verbindung mit dem übrigen Wagen reißt ab, denn der übrige Wagen fährt noch sehr schnell, besonders hinten mit dem Kofferraum. Rene fühlt jetzt einen mächtigen Schlag in den Beinen, denn der Teil des Wagens, gegen den er sich mit den Füßen stemmt, wurde soeben auf etwa 60 km/h abgebremst. Mit den Beinen stemmt er jetzt 3 500 bis 4 200 N ab. Wollte er jetzt auch noch sitzen bleiben, dann müsste er mit den Armen 2 200 N am Lenkrad abstemmen, aber das schafft er doch nicht. Seine Kniegelenke geben nach, sie brechen einfach knirschend oder springen aus dem Gelenk. Und deutlich spürbare Gewalt zieht ihn mit seinem Gewicht von rund 140 kg auf einer Kreisbahn nach oben in die Ecke der Sonnenblende. Alles in allem verteilt Friedrich zurzeit insgesamt 413 kg Eigengewicht auf seine Gliedmaßen.Sekunde 0,3
Rene hat jetzt ein etwas leichteres Schicksal: Er ist mit Fliegen beschäftigt, er ist noch unterwegs zu den Hindernissen. Seine gebrochenen Knie kleben am Armaturenbrett, mit den Händen hält er fest das Lenkrad, das sich unter seinem Griff elastisch biegt, und ihn um weitere 5 km/h abbremst.Sekunde 0,4
Rene ist noch immer unterwegs, sein Becken stößt gegen den Lenkradkranz. Rene ist in diesem Moment nur etwa 100 kg schwer. Die Lenksäule biegt sich unmerklich nach oben. Da kommt der furchtbarste Moment. Die schwersten und stabilsten Teile der Wagen, die Motoren, krachen zusammen.Sekunde 0,5
ist soeben vorbei. Motor und Rene stehen still. Nur der Kofferraum fährt noch mit 50 oder 60 km/h. Die Seitenwände des Wagens überholen sich selbst. Die Hinterräder bäumen sich hoch auf, zwei drei Meter hoch. Aber der Wagen interessiert uns jetzt nicht: Was ist mit Rene in dieser Zeit passiert? Rene kam im Verlauf einer Zehntelsekunde zum Stillstand. Sein Gewicht wuchs auf 973 kg an. Mit dieser erbarmungslosen Gewalt wurde er auf die Lenksäule geschleudert. Das Lenkrad, an dem er sich noch immer fest hielt, brach unter dieser Stoßkraft zusammen wie ein morsches Brezel. Mit der Kraft von rund 8700 bis 9200 N dringt die Lenksäule als stumpfe Lanze in seine Brust. Gleichzeitig durchbricht sein Kopf mit einem betäubenden Schlag die Windschutzscheib im Bereich des Dachansatzes.Selbst jetzt hat Rene noch nichts von der neuen Situation mitbekommen. Hätte sich Rene nicht mit so übermenschlicher Kraft am Lenkrad festgehalten, dann würde er in diesem Moment vielleicht die Kraft aufgerbacht haben, die sein Auto normalerweise auf der Straße verteilt. Dabei wären ihm auch noch die festgeschnürten Schuhe von den Füßen geflogen. Kaum hat sich Rene wieder zur Ruhe gesetzt, beginnt das Spiel von neuem, in die andere Richtung, denn in der...
Sekunde 0,6
Beginnt sich das Auto entgegen dem Uhrzeigersinn zu drehen, während die Hinterräder noch in der Luft sind. Rene zieht den Kopf langsam durch das Loch in der zerbröselten Windschutzscheibe zurück und streicht an ihr entlang nach links, sein Brustkorb gibt die Lenksäule allmählich wieder frei. Bis hierher hat sich sein Fahrzeug um 90 Grad gedreht. Nun bewegt sich Rene nach hinten links als wollte er aussteigen. Er bleibt jedoch erneut an etwas hängen. Diesmal sind es der Türholm und der Fahrersitz, die ihm den Weg versperren. Seine Knie klemmen inzwischen unter dem Armaturenbrett fest.Sekunde 0,8 – 2,0
Die Hinterräder bekommen wieder Kontakt mit der Fahrbahn und bremsen die Drehbewegung etwas ab. Rene hängt zwischen Fahrertüre und seinem Sitz fest. Seit dem Zusammenprall hat Renes Polo weitere fünf bis zehn Meter zurückgelegt und bewegt sich nun auf einen Baum am rechten Straßenrand zu, an welcher das Auto bis zum Stillstand abgebremst wird. Den Motor, dessen Haube, Vorderachse und Kotflügel hat Rene bei seinem Unfallgegner gelassen, der restliche Vorbau seines Polos liegt verstreut auf der Fahrbahn.Sekunde 2,0
hat der Spuk ein Ende. Beide Fahrzeuge sind zum Stehen gekommen, nur einzelne Teile davon bewegen sich noch. Eine Radkappe rollt noch ein Stück weit die Straße entlang, dann ist es still. Sein Unfallgegner hängt bewusstlos in seinem vorschritfsmäßigen angelegten Sicherheitsgurt und spürt noch nichts von seinen gebrochenen Rippen und der Platzwunde am Kopf.Und Rene? Noch eine oder zwei Zehntelsekunden, dann ist Rene tot.
Sekunde 3,0
Renes Frau deckt zuhause den Tisch zum Abendessen. Die beiden Kleinen helfen ihr.Sekunde 4000
Zwei Polizistenklingeln an Renes Haustüre. Seine ahnungslose Frau öffnet. Die Türe.Ätzes:
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